Eine Ode an Buch, Musik und Film

Ich habe mit 19 angefangen in einem Verlag zu arbeiten. Heute bin ich fest angestellte Marketingmanagerin und wütend. Die Welt hat sich verändert. Wir werden Generation Head-Down, Smombies und auch noch beziehungsunfähig genannt. Ich nehme mich davon nicht aus. Aber ich arbeite in einer anderen Welt und ich mag diese Welt.

Woran man Lektoren oder Verlagsmitarbeiter im Allgemeinen erkennt? Sie sind jene misteriöse Spezies, die man unterm Gehen lesend auf der Straße trifft. Das gibt es tatsächlich noch. Und ja, wir arbeiten vor, während und nach der regulären Arbeitszeit. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Geschichten, Werbeideen, Covermotiven, Headlines, nach dem einen bahnbrechenden Wortkünstler, der uns wieder fiebern lässt. Kaum jemand versteht wie viel Kunst, Leidenschaft und Energie in jedem einzelnen Buch steckt. Wie viele Stunden, Wochen und Monate vergehen bis aus einer bloßen Idee, einer Geschichte im Kopf, ein Manuskript und irgendwann ein gedrucktes Meisterwerk wird. Wie viele Hände Worte rücken, austauschen, in die richtige Form biegen, wie viele Covermotive entstehen und wieder verworfen werden, damit sich später eine Hand danach ausstreckt.

Meine Aufgabe ist es, unsere Bücher zu euch zu bringen. Euch zu erzählen, dass da draußen so viele faszinierende Geschichten liegen, die gelesen werden wollen. Die Frage ist nur, wo seid ihr hin? In stundenlangen Sitzungen, Konferenzen, Kick-Offs und Brainstormings zermartern wir uns über diese Frage den Kopf. Und ich möchte euch da draußen, ganz gleich ob mit oder ohne Smartphones, Tablets und Selfiesticks, schütteln. Denn wir brauchen euch, um zu überleben. Die Buchhandlungen brauchen euch, um zu überleben.

Gab es nicht mal eine Zeit in der ein Buchgeschenk kostbar war? Als Kind habe ich heimlich nachts unter der Bettdecke gelesen bis mir die Augen zugefallen sind. Die kleinstädtische Bibliothek hatte ich mit 12 durch. Mittlerweile gibt es kaum mehr Bibliotheken. Die kleinen Buchhandlungen schließen, von den großen bleiben nur die größten. Was ist uns Kunst und Kultur heutzutage noch wert?

Kauft wieder Bücher, kauft wieder CDs, kauft wieder DVDs. Geht zu Lesungen, auf Konzerte, in Programmkinos, zu Poetry Slams. Lasst eure Smartphones in der Tasche, und lasst euch darauf ein. Schmeißt Geld in Hüte von Straßenmusikern, hebt den Kopf in der U-Bahn oder starrt ab und an mal auf ein Buch. Denn was ist die Welt ohne Kunst?

AVW, 30.6.2016

3 Gedanken zu “Eine Ode an Buch, Musik und Film

  1. Liebe Annika,
    du weißt, wie sehr ich Bücher liebe. Am liebsten gebunden. Ja, ja, reinstes Mittelalter, doch Bücher sind für mich wertvoll. Ich habe Lieblingsbücher, die ich bestimmt schon fünf Mal gelesen habe und noch fünf Mal lesen werde. Natürlich gibt’s auch welche, die ich nie wieder in die Hand nehme. Doch alle haben mich begleitet, verzückt, in Spannung versetzt oder einfach nur glücklich gemacht. Eine Geschichte, die mit Begeisterung und Herzblut erzählt wird, ist wohl das beste was einem passieren kann. Darum bin auch ich immer auf der Suche nach neuen Geschichen.
    Wenn ich ein neues Buch von dir bekomme, ist das immer sehr spannend. Bisher wurde ich noch nicht enttäuscht.
    Ich freue mich, dass du nun einen Weg gefunden hast, deine Leidenschaft einem größeren Puklikum zugänglich zu machen.
    Bin gespannt , wie es weiter geht :))))
    Marlene

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