Über Liann, Kilian und die geheime Existenz groben Unfugs

Kilian ist Linkshänder, glaubt er zumindest, Gitarre spielt er trotzdem mit rechts. In der 1. Klasse nimmt er Cello Unterricht, seine Alltagshelden sind die Beatles. Mit 13 folgen Klavier und Gitarre. Der erste ureigene „Hit“ entsteht auf der Ukulele, Textlaut: „You’re by my side, everything’s going to be alright“.
Mithilfe von Künstlern wie „The Cat Empire“, „John Butler“ und „Jamie Cullum“ versucht Kilian fortan ein Gefühl für die Verbindung von Musik und Text zu bekommen. Das klappt zunächst nicht wirklich, aber irgendwann dann ziemlich gut. So setzt er sich ein paar Jahre später mit den ersten Songcovern im Gepäck in Cafés ans Klavier und spielt.

Der Reiz eigene Texte zu schreiben und eine Melodie dafür zu finden, lässt ihn nicht los. „Two Shoes“ von „The Cat Empire“ verleiten ihn schließlich zur ersten Textzeile seines ersten ernsthaft eigen komponierten Songs: „Das sind die ersten vier Akkorde meines Lieblingslieds“. Beeinflusst von Künstlern wie „Peter Fox“ und „Blumentopf“ beginnt Kilian auf Deutsch zu schreiben. Im Februar 2013 entsteht das Projekt Liann, das Release für seine erste EP „Murmeltier“ findet im April 2016 im Milla Live Club statt: ausverkauftes Haus, grandiose Stimmung und ein noch grandioserer Liann – man ahnt: das wird was!

Live funktioniert Liann auch alleine, doch es macht ihm nur halb so viel Spaß. Auf die Bühne holt er sich deshalb am liebsten Musiker aus allen Richtungen dazu – zum Kern gehören: Roland Buck Roger an der Geige (eigenes Projekt: Buck Roger & the Sidetrackers), Preston Jones am Kontrabass, Derrick Waluube an den Drums und Elisa von Wallis an Cello & Klavier.

Womit Kilian zu Beginn die größten Schwierigkeiten hatte, sticht nun am meisten heraus: Die Wortgewalt seiner Texte. Nicht alles, wovon er in seinen Songs erzählt, hat er auch selbst erlebt. Vieles ist Fiktion, anderes ein Sammelsurium aus Erlebnissen und Eindrücken, verarbeitet zu einem Song. Liann’s Texte handeln von der Rebellion gegen das Erwachsen werden, der vollen Dröhnung Leben, von Erinnerungen an unvergessliche Kindheitsmomente, der Liebe, ihrer Vergänglichkeit und die Verbindung mit Orten an denen sie sich plötzlich nicht mehr finden lässt. Man begegnet Charlie Chaplin, dem Sunshine Pub, Chewbacca und dem Eismann, der keinesfalls von Bofrost ist.

Unabhängig von Location und Jahreszeit haben Konzerte von Liann stets Wohnzimmercharakter –man fühlt sich einfach wohl. Die Stimmung ist schnell (aus)gelassen, das Publikum schreit mit Liann nach „Eva“, gibt Chewbacca-Laute von sich und wackelt mit den Köpfen. Gerne überlässt Liann auch seinen Bandmitgliedern für einen Song die Bühne. So kommt es, dass man ganz nebenbei von Derrick Waluube das beste Cover von Stevie Wonders „Superstition“ zu hören bekommt.
Dann, ein paar Songs später, Stimmungswechsel: Kilian steigt mit Gitarre von der Bühne, singt ohne Mikro und Technik. Vom ersten Moment spürt man den Ernst hinter dem Song, wird still und hört zu. Man blickt im Raum umher und findet seinen eigenen Gesichtsausdruck auf dem der anderen wieder: berührt und zugleich tief beeindruckt.
Diese Vielseitigkeit, der gelungene Spagat zwischen unendlichem Spaß an Musik und einer angemessenen Portion Ernsthaftigkeit, machen Liann als Künstler so besonders und anders.

Zum Schluss noch ein paar Worte über Kilian selbst und – über groben Unfug. Privat gibt Kilian Gitarren- und Klavierunterricht, leitet zwei Chöre und schreibt Theatermusik – zuletzt für das Stück „Wir sind jung, wir sind stark“ (Residenz Theater/Marstall), was ich hier nicht unerwähnt lassen möchte. Die Aufnahmen für seine zweite EP sind für den Herbst geplant.
Vielleicht findet sich darin auch etwas aus der geheimen Datei „grober Unfug“ wieder, die sich seit einiger Zeit auf Kilians Festplatte befindet und deren Inhalt sich stetig entwickelt. Zur Definition: „Grober Unfug“ ist das, was in Kilians Kopf neben dem Projekt Liann, musikalisch so entsteht. Wie wir finden: jede Menge irre cooles Zeug. Einen kleinen Eindruck bekommt man, wenn man nach einem Konzert ein bisschen länger verweilt und miterlebt wie ein ganzer Bus voller Musiker zu jammen beginnt… dieses München kennt leider fast niemand. Umso mehr ist es uns ein Bedürfnis, Künstlern wie Liann und dem Rest der Truppe ordentlich Gehör zu verschaffen.

Man darf also gespannt sein oder, um es in Kilians Worten auszudrücken: „Das wird nice! Wir sehen uns!“

© Annika Valerie Wagner

Bitte den Daumen benutzen unter: https://www.facebook.com/liansupport/

Live könnt ihr Liann im September hier erleben:

4.9.: Isarinselfest
7.9.: GIRLS – Fotografien von Verena Voetter, Feierwerk Farbenladen, 18 Uhr
15.9.: Support von „Schmieds Puls“, Milla Live Club, 19.30 Uhr

Aber jetzt, unbedingt reinhören & die Murmeltier EP bestellen :)!

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s