LAUFFEUER – ABOUT MUNICH WAREHOUSE

In einer kalten Londoner Nacht appelliert die britische Rapperin Kate Tempest mit ihrem Werk Let them eat Chaos an das verlorene Europa „to wake up and love more“. Eine Nadel, in einem Haufen kleiner und großer Rebellionen, die alle denselben Schrei wie Kate Tempest loslassen. Ein Schrei, der stets in einem einzigen Wort suggeriert. Liebe. Love. Liefde. L’amour. Oder eben – Amore.
Das Münchner Klamottenlabel MUNICH WAREHOUSE ist eine weitere Nadel, die mit dem, was sie produzieren eine Message formulieren. Wer Munich Warehouse trägt, zieht ein Lebensgefühl, eine Lebenseinstellung über. Ende 2014 von drei Kreativ-Schaffenden gegründet, bedruckt MUNICH WAREHOUSE Fair-Wear Klamotten in kleinen Auflagen und hat sich in Musik- und Kunstkreisen zu einem Codewort entwickelt. Das Logo – vier senkrechte Striche, ein diagonaler, darum ein Herz – als Zeichen für Zusammenhalt junger Stürmer und Dränger.

Ende 2017, drei Jahre später. Drei Jungs stehen um Mitternacht in einem leeren Club und machen Bilder in modischen Pullovern. Auf einem jener steht in Versalien gedruckt das Wort AMORE, den Buchstaben „O“ ersetzt das Logo. Mit diesen Bildern – ohne Lächeln, ohne Schnickschnack –  leitet MUNICH WAREHOUSE nach Vorbild von „Younger Us“ die Initiative „Mehr als ein Pullover“ ein. Jeder, der sich dazu entscheidet, einen AMORE Pullover zu kaufen, spendet einen zweiten an einen Obdachlosen in München. Zur Erklärung vermag es nicht mehr als das abgedruckte Zitat von Schriftsteller Charles Bukowski auf der Rückseite des Pullovers zu zitieren: „You begin saving the world by saving one person at a time: All else is grandiose romanticism or politics.“

MUNICH WAREHOUSE ist das Gegenteil eines profitorientierten Mode(l)-Labels. Eines, das ohne Hashtags und Pressekontakt lebt.
Hinter MUNICH WAREHOUSE stehen drei Menschen, die jedes Paket, das verschickt wird, selbst zusammenschnüren und zur Post fahren. Kleine Auflagen, zu einem kleinen Preis, bis das Regal in der Müllerstraße leer ist und der Kreislauf wieder von vorne beginnt. Jedes Produkt, jedes Bild, das in die Welt ausgewildert wird, soll beim Empfänger ein gutes Gefühl hinterlassen. Es soll ihn abholen. So, wie er ist.
Ob im Penthouse, im Club, am Herd oder auf der Straße. MUNICH WAREHOUSE bedeutet „Fuck you“ sagen zu dürfen, zu rebellieren und zusammenzuhalten. Man muss wie Kate Tempest kein Politiker sein, um etwas gesagt zu haben. Der Unterschied besteht darin, nicht stillzustehen. Etwas zu tun, im Kleinen. Eine Nadel zu sein, wie MUNICH WAREHOUSE. Denn daraus und aus Worten können Lauffeuer entstehen.

http://www.munichwarehouse.com

(c) Annika V. Wagner

Foto: Paul Ambrusch

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